English version

Mein grösstes Missverständnis während meinem Aufenthalt in China? Und zugleich auch das teuerste? Trommelwirbel bitte…

opera-don-giovanni.jpgAber Moment. Beginnen wir am Anfang.

China ist nicht nur das Land von WeChat, sondern auch das Land des Onlineversands. Nicht nur Pizza wird per Kurier innerhalb von 30 Minuten nach Hause geliefert, sondern auch frischer Kaffee, Tee und Matcha Latte. Sogar deine Kleider werden vom Wäschehaus per Kurier abgeholt und anschliessend gewaschen zurückgeliefert. Einen Laden, wo man die Kleider noch zum Waschen abgeben kann, sucht man mittlerweile vergebens*.
Als ich in der Schweiz den Koffer packte, hatte ich die glorreiche Idee, dass ich gar nicht so viele Kleider mitnehmen muss, denn: in China kriegt man doch eh alles zum Spottpreis. Denkste… Das gilt nur, wenn du die Sachen online bestellst.
An und für sich ja nicht so eine schwierige Angelegenheit. Ich kann einen PC bedienen, Internet geht auch klar und einer Kreditkarte befand mich meine Bank auch würdig. Dumm nur, dass in China die meisten Onlineversandhändler nur die chinesische Kreditkarte von Unionpay akzeptieren oder WeChat-Pay, und ich keines von beidem habe. Und die chinesischen Zeichen machen das Ganze auch nicht einfacher. Schon beim Herunterladen der Taobao**-App ist bei mir Fertig-Lustig. Ich verstehe nix. Und um Sachen zu bestellen, ist das wohl zentral.

Aber zurück zu meinem Missverständnis.

Auf meiner To-Do-Liste für Beijing steht ein Besuch der Oper ganz oben. Als ich neben Sherry von der Schuladministration stehe und von ihr für beide obgenannten Probleme Hilfestellung für den Ticketkauf für die Don Giovanni-Opernaufführung kriege, wird uns mitgeteilt, dass der Ticketverkäufer auch noch meine chinesische Natelnummer – die ich nicht habe – zwecks Identifikation benötigt. Also muss ich wohl an der Abendkasse das Ticket kaufen. Um sicherzustellen, dass diese Vorstellung nicht schon ausverkauft ist, wenn ich komme, beschliesse ich, am Sonntag zuvor einen Ausflug zum National Center for the Performing Arts zu machen.

Beim Ticketverkauf habe ich etwas Mühe, da die Frau nicht wirklich gut Englisch spricht und ich noch schlechter Chinesisch 🙂 Aber wenn ich drei Mal “Don Giovanni” sage, besagte Oper ja auch diese Woche läuft, dann bin ich eigentlich zuversichtlich, dass beim Ticketkauf alles klappt.
Um ein Ticket reicher und 360 Yuan leichter trete ich den Rückweg an. Schade, dass auf dem Ticket nur chinesische Zeichen stehen und nicht etwa ein Bild von Don Giovanni – wäre noch ein gutes Souvenir gewesen.

tix-don-giovanni-e1546254107562.jpgWährend ich in der Subway stehe und auf dieses Ticket starre, lache ich kurz in mich hinein. Auf dem Ticket kann ich lediglich die Zeit lesen und die Sitzplatznummer, der Rest ist Chinesisch. Eigentlich hätte sie mir ja irgendein Ticket verkaufen können.

Nun, spulen wir vor zu Freitag Abend; ich mache mich etwas früher auf den Weg, damit ich nicht plötzlich in Eile komme. Und als ich durch den Eingang schreite, begegnet mir so viel Kunst, Bilder, Skulpturen und wunderschöne Architektur, dass eigentlich schon das allein mich für den Ticketpreis entlöhnt.

Um 19.00 Uhr mache ich mich dann auf zum unteren Eingang des Operngebäudes. Die Lady am Eingang will mich allerdings nicht reinlassen und verweist auf irgendeinen Eingang weiter oben. Glaube ich zumindest. Englischkenntnisse waren bei ihrem Jobinterview wohl fakultativer Natur. Ich nehme zwar an, dass ihr ein Fehler unterlaufen ist, denn ich habe keine teuren Balkontickets gekauft, sondern solche in einer günstigeren Budgetklasse. Trotzdem gehe ich nach oben, werde aber langsam nervös, denn in einer Viertelstunde beginnt die Vorstellung… Beim oberen Eingang schaut der Typ aufs Ticket und schüttelt den Kopf und verweist mich in eine ganz andere Richtung. Ich verstehe ihn wirklich nicht und auf einmal taucht ein zweiter Typ neben ihm auf. Von seinem gebrochenen Englisch verstehe ich zwar nicht viel, die Worte ‘Concert Hall’ dringen aber dennoch durch. Ein mulmiges Gefühl beschleicht mich… und lässt mich nicht los, bis ich beim Eingang besagter ‘Concert Hall’ tatsächlich eingelassen werde und ein Orchester vor mir sehe. “七彩之和” ist nicht “Don Giovanni” auf chinesisch, sondern der Name eines Konzerts.

“Eigentlich hätte sie mir ja irgendein Ticket verkaufen können…” hallt mir durch den Kopf. Gibt es vielleicht doch so etwas wie Intuition??!!

Eine Weile sitze ich trotzig vor diesem Orchester – Nein, ich bin wirklich kein Fan von Orchestern – und male mir aus, wie es wäre, dieser Ticketverkäuferin meine unverblümte Meinung zu sagen. Allerdings würde sie mich eh nicht verstehen und da die meisten Chinesen viel unverblümter ihre Meinung kundtun und viel lauter als ich es jemals wagen würde, wäre damit wohl niemandem geholfen.

Also mache ich es mir auf meinem Sitz bequem und hoffe, dass ich das Konzert doch geniessen kann – obwohl ich der Oper von Don Giovanni nachtrauere. Mit der richtigen mentalen Einstellung klappt es vielleicht.

Nein, tut es leider nicht. Und eine Stunde später, als die lang, lang, langersehnte Pause endlich kommt, leiste ich meiner inneren Stimme Folge, die mich bittet, schleunigst das Weite zu suchen. Ich habe noch nie ein solch spezielles Konzert gehört…

*Das habe ich versucht und bin kläglich gescheitert. Ich bin meinem Vermieter endlos dankbar, dass er sich zwei Wochen, nachdem ich angekommen bin, an Singles Day*** eine neue Waschmaschine gekauft hat, die mit mehr als 20 Grad die Wäsche wäscht.
**Taobao gehört zu Alibaba und ist eine der grössten Onlinehandelsplattformen. Erst jetzt, als ich im Wikipedia etwas mehr Informationen zu Taobao nachschlage, lese ich, dass im 2016 von drei Expats in Shanghai die Plattform Baopals gegründet wurde, die Taobao ins Englische übersetzt und somit für Ausländer in China zugänglich macht… 🙂
***Single’s Day hat übrigens nichts mit Alleinsein zu tun (Single sein hat sowieso nicht zwingenderweise mit Allein sein zu tun, aber das ist ein anderes Thema), sondern bezieht sich auf das Datum des Single’s Days. 11.11. Der elfte Elfte, das Datum, das nur aus Einsen (Singles) besteht. Es ist die chinesische Version von Black Friday.

English version:

误会 | wùhuì = Misunderstanding in Chinese

My biggest misunderstanding during my stay in China? And the most expensive one at that, too? Drum rolls please…

Opera Don GiovanniBut wait! Let’s start at the beginning.

China is not only WeChat-Land, but also the land of online shopping. Not only can you get a pizza within 30 minutes delivered to your house, even fresh coffee, tea or Matcha Latte are only one click and a few minutes (by courier) away. Even your dirty laundry gets picked up by courier and dropped off again at your place, courtesy of a laundry service App whose name I have forgotten. I tried to find a dry cleaner nearby for about two weeks, but the effort was in vain*.
When I packed my suitcase back in Switzerland, I had a glorious idea: why bring along so much clothing when you can get it so much cheaper in China anyway? Well, sorry to burst anyone’s precious bubble, but that’s not the case anymore. Or at least not in Beijing. You only get them cheap if you order them online.
Which in itself wouldn’t be that much of a problem. I know how to use a computer, can handle the internet and my bank at home found me worthy of a credit card. Too bad most online stores in China only accept Chinese credit cards or WeChat-Pay. Both of which I do not have. Well, and honestly, the Chinese characters don’t make things any easier. I come to a halt just as I’m downloading the Taobao**-App. I don’t understand sh.. And I guess that’s an integral part of shopping online, right?

Well, back to my misunderstanding:

On my To-Do-list for Beijing, a visit of the Beijing Opera house ranks very high. But while I’m standing in the school’s admin office, getting assistance for buying a ticket regarding both issues mentioned above, I am told that the ticket seller also wants my Chinese cell phone number – which I don’t have – for identification purposes. Hence, I have to resort to buying the ticket at the National Center for the Performing Arts. To make sure that I will get a seat, I decide to make a trip to said venue a week before the opera.

Since the ticket vendor lady’s English is not that good and my knowledge of the Chinese language even worse, buying the ticket is a bit of an ordeal. But after mentioning “Don Giovanni” three times and considering that this opera is being played there the entire week, I’m certain that everything goes smoothly.
A ticket in hand and 360 yuan poorer, I find my way back home. A pity that the ticket only contains Chinese characters and not a picture of the Don Giovanni opera – it would have made for a good souvenir.

Tix Don Giovanni
During the subway ride back home a smile plays around my lips; apart from the time and seat number, I can’t read anything that’s written on the ticket – it’s all Chinese. For all I know, the woman could have sold me a ticket for a horse riding show 😉

All right. Fastforward to Friday evening; I’m on my way early so as to not have to hurry due to unforeseen traffic jam or such. And when I finally make it through the entrance of the center, I see so much art; paintings, sculptures and magnificent architecture, that I’m happy I got there early. Even just seeing this was worth the ticket.

At 7pm I make my way to the lower entrance of the opera building. But the lady at said entrance won’t let me in and gestures for me to go to the entrance above. Or at least that’s what I think she meant to convey. English seems not to have been on the list of prerequisites for her job. I take it that she made a mistake, because I haven’t bought expensive balcony tickets but I don’t argue further and walk upstairs. By now, I’m a bit nervous because the show will start in 15 minutes… At the entrance above, the ticket guy glances at my ticket and gestures for me to go somewhere else entirely. I do not understand him and stand there until another guy shows up to assist him. I do not understand much of his broken English, but eventually, I can make out two words. Concert. Hall. This doesn’t feel right. At all… I can’t shake that feeling off and when I’m easily let in at the entrance of the ‘Concert Hall’, I know that my ticket is in fact a ticket to a concert called “七彩之和” and most definitely not the Don Giovanni opera.

“For all I know, the woman could have sold me a ticket for a horse riding show…” A voice in my head reminds me of what I’d thought a week ago. Except for that I’m not going to see a horse riding show, but an orchestra concert. Maybe gut feelings really are true??!!

After grumpily sitting in front of said orchestra – No, I most certainly am NOT a fan of orchestras – I paint a pretty picture of myself telling off the lady from the ticket sale at the entrance. However, first, she wouldn’t understand my English and second, the Chinese are actually pretty good at voicing their opinion in a not so subtle manner and in a voice I could never use so me going off at her probably wouldn’t really impress her.

Hence, I try to make lemonade out of this very bitter lemon (aren’t those sour though?) and hope to enjoy this concert, even though I’m sad not to see Don Giovanni. Maybe, with the right attitude, it works?!

An hour later, I know from the bottom of my heart, that it’s got nothing to do with the right attitude. When the sorely anticipated break finally comes, I follow my inner voice that shouts at me to flee the scene. I have never heard a stranger concert than this one. Ever…

*I am forever grateful to my landlord for buying a new laundry machine not two weeks after I got to China. Whether it is due to the fact that it was Single’s Day*** and he got a cheap deal or because my comment that “washing clothes with only 20 degrees doesn’t really clean them” was a wake-up call for him to get a new one, I don’t know. But I couldn’t care less.
**Taobao belongs to the company Alibaba and is one of the largest online shopping platforms. Only now that I’m looking up some intel on Taobao on Wikipedia do I read that in 2016, three expats founded a platform called Baopals that translates Taobao in English.
***Single’s Day has nothing to do with being single or alone (and being single doesn’t necessarily mean being alone anyway, but that’s another topic), but is an allusion to the date; 11th November or 11.11. The date that only consists of 1s or singles. Capisce?! It’s the Chinese version of Black Friday.

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